Stärker als Karjakin spielen?

Die Diagramstellung aus der Partie Carlsen - Karjakin aus der Blitzweltmeisterscht in Berlin

Oder zumindest den stärkeren Zug finden. Die Diagrammstellung entstand in der elften Runde der kürzlich zu Ende gegangenen Blitzweltmeisterschaft in Berlin zwischen dem frischgebackenen World-Cup-Sieger Sergey Karjakin mit den schwarzen Steinen und dem amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen mit den weißen Steinen.

Shirovs Endspielperle

Dem letzten Teil meiner kleinen Schachserie möchte ich einer Endspielperle des lettischen GM Alexei Shirov widmen. Shirov gilt als einer der größten Angriffsspieler aller Zeiten und ist bekannt für seine taktischen Meisterwerke. Aber was ist auch Anderes zu erwarten von einem Schüler des legendären Mikhail Tal?

Zentrum besetzen und verlieren?

 

Jedem Anfänger wird zu Beginn seiner Schachlaufbahn beigebracht, dass die Besetzung des Zentrum anzustreben ist. Ludek Pachmann gelang es in seiner Partie gegen keinem Geringeren als Bobby Fischer sogar das gesamte Zentrum, sprich das Bauernquadrat d4, e4, d5 und e5 mit Bauern zu besetzen, was ihm jedoch keinen Vorteil versprach, ja sogar an den Rand der Niederlage brachte.

Vier gewinnt!

 

Oder genauer gesagt: vier Freibauern gewinnen!
In der Partie Timofeev-Khismatullin (Russische Meisterschaft 2009) zog Schwarz in obiger Stellung 48. … b6 und griff damit sowohl den Turm auf a5 als auch den Bauern auf c5 an. Timofeev, bereits eine Qualität im Rückstand, steckte mit dem unglaublichen Zug 49. b4!! zusätzlich einen Turm ins Geschäft und erhielt dafür vier verbundenen Freibauern. Welch schöner Anblick!
Im weiteren Partieverlauf konnten die schwarzen Türme nur hilflos dabei zuschauen, wie die weiße Bauernlawine die schwarze Stellung überrannte.

Die Partie zum Nachspielen:

Timofeev - Khismatullin

 

(Dinh Bao Duong)

Long Way Home

Wenn man sich das linke Bild betrachtet, so fragt man sich was das für ein merkwürdiger Pfad sein soll. Nimmt man ein volles Brett und die Information, dass es sich um die Marschroute eines weißen Königs handelt hinzu, so würde so mancher Schachspieler vermuten, dass es sich hier um eine klassische Königsjagd handelt bei der der König unter Materialopfern übers Brett getrieben und am Ende in einer dunklen Ecke brutal mattgesetzt wurde.

Tödlicher Königsmarsch

Wenn ein König im Mittelspiel quer durchs Brett wandert, so denkt so mancher Schachspieler an eine blutige Köngisjagd. Dabei irrt der hilflose Monarch ziellos umher und wird unter dem Einsatz unzähliger Figurenopfer in ein Mattnetz getrieben.

Nicht so bei Nigel Short! Der schaffte es 1991 in seiner Partie gegen Jan Timman im niederländischen Tilburg eindrucksvoll zu demonstrieren, dass ein König auch bei vollem Brett als Angriffsfigur dienen kann.

In der Diagrammstellung zog Short: 32. Kg3!!

Und so beginnt der weiße König seine Reise zum gegnerischen König. Bemerkenswert ist, dass Schwarz völlig paralysiert ist und den König nicht an der obengezeigten Route hindern kann. Timman blieb nichts Anderes übrig, als seine Figuren hin und herzuschieben und musste hilflos dabei zusehen, wie sein König dem drohenden Matt auf g7 nicht mehr entkommen konnte. Als Shorts König das Feld g5 erreichte, war Matt in 2 nicht mehr zu verhindern und Timman gab die Partie auf. Die Diagrammstellung eignet sich wunderbar für ein "Matt in 5"-Problem.

Hier die vollständige Partie zum Nachspielen:

Nigel Short - Jan Timman

(Dinh Bao Duong)